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Der Hohlweg der Toten

Als am 3. Juli 1866 die Brigade des österreichischen Generals Ramming die Preußen aus Rozběřice vertrieben hatte und ihre ersten Abteilungen an den Rand von Chlum gelangten, sah es so aus, als sei den Österreichern eine Wende in den Kriegskämpfen gelungen. Doch es war an diesem Tage einer der wenigen Siege der Österreicher. Die Preußen waren erfolgreicher. Weil keine Verstärkung auftauchte, wich Rammings Brigade zurück, und Chlum gehörte erneut den Preußen.

Der Befehlshaber der österreichischen Armee Benedek versuchte am Nachmittag noch eine zweite Möglichkeit, wie Chlum zu erobern sei. Er schickte das I. Armeekorps in den Kampf. Etwa 20 000 Fußsoldaten unter der Führung von General Poschacher mit Unterstützung der Artillerie marschierten unter anderen durch den tiefen Hohlweg von Rozběřice nach Chlum. Die Preußen beschossen sie jedoch von drei Seiten aus ihren schnelleren Hinterladergewehren. Es war ein unvorstellbares Massaker.

Innerhalb von zwanzig Minuten des Kampfes starben angeblich 6 600 österreichische Infanteristen, einschließlich des Generals Poschacher und des Befehlshabers des 30. Infanterieregiments, des Oberst Bergou. Der Hohlweg wurde später von den Einheimischen als „Hohlweg der Toten“ bezeichnet. An einigen Stellen füllten die Leichen den mehrere Meter breiten Hohlweg und es heißt, das Blut sei hier in Strömen geflossen. Inklusive der gefangengenommenen Soldaten verzeichnete das I. Armeekorps bei diesem Aufeinandertreffen einen Verlust von 10 000 Männern, gleichbedeutend mit der Hälfte der Gesamtzahl der Männer.

Nach der Schlacht bot sich ein Bild des Schreckens, im Hohlweg lag ein Gewirr von Körpern, umgekippten und zerstörten Wagen und verstreuten Sachen. Es ging das Gerücht um, im Hohlweg gingen nach Sonnenuntergang Gestalten in weiß-blauer österreichischer Mundur um und das Heulen der Toten sei zu hören.

Durch den Hohlweg bei Rozběřice war unter den ersten auch das österreichische Bataillon der Feldjäger Nr. 6 marschiert, in dem meist Tschechen dienten, das sich in den Kämpfen mit den Preußen bei Náchod auszeichnete. Solche Verluste wie beim I. Armeekorps musste es jedoch nicht hinnehmen. Das Bataillon der Feldjäger Nr. 6 hatte eine interessante Entwicklung. Es nahm im 1. Weltkrieg an den Kämpfen in Russland und Italien teil. Nach dem Ende Österreich-Ungarns im Jahre 1918 wurde es in das tschechoslowakische Jägerbataillon Nr. 6 umbenannt und reihte sich in die Armee der neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik ein. Von 1920–1939 trug es den Namen Grenzschutzbataillon Nr. 6 der „Sibirischen Aktivisten“.

Der Hohlweg der Toten
 

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